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Ein kleiner Scherz - ein großer Erfolg

Rhön - Wenn man Rhönräuber hört, denkt man sicherlich zuerst an den wohlbekannten Paulus. Der hat jetzt Namensvettern bekommen, die auszogen, um erfolgreich Musik zu machen und dafür kürzlich den Bundes-Talentepreis für Unterhaltungskunst bei der Sendung "Herzklopfen kostenlos" erhielten.
Die neuzeitlichen Rhönräuber sind eine Band, bestehend aus sieben Mitgliedern zwischen 21 und 35 Jahren, die alle aus der Region kommen und handgemachte Musik präsentieren. Die Jungs spielen normalerweise alle in unterschiedlichen Musikcombos und treten zumeist zu Kirmesveranstaltungen auf, um die Leute mit Coverliedern zu unterhalten.
Dass das jedoch nicht alles sein kann, dachten sich die Musiker während eines Starkbierabends im vergangenen Jahr und kamen ins Gespräch. "Wir wollten endlich einmal eigene Songs schreiben und so wurde aus einer vermeintlichen Schnapsidee ruck, zuck eine ernste Sache", sagt Keyboard- und Akkordeonspieler Mario Knackert aus Empfertshausen. "Im November haben wir uns dann zum ersten Mal zum Spielen getroffen." Ein Vorbild für das neue Bandgefüge sind die Zillertaler Schürzenjäger, die nach Meinung von Gitarrist Thomas Schramm genau den Stil haben, den alle Bandmitglieder als gemeinsamen Nenner teilen: alpenrockige und volkstümliche Songs.
Nachdem das Projekt erfolgreich und vor allem mit Spaß angelaufen war, zogen die Rhönräuber für ein paar Tage vom Proberaum in Kranlucken an den Tegernsee, um die ersten selbstgeschriebenen Lieder in einem Studio aufzunehmen. Dort konnte sich die Band in aller Ruhe ihrer Musik widmen und hatte genug Inspiration durch das bayerische Alpenflair. Der Schlagzeuger und Sänger Benjamin Treis aus Kranlucken sagt: "Vor allem haben wir aber auch musikalisch viel dazugelernt. Die Abläufe im Studio in München/Unterföhring zu verfolgen und dazu noch die Unterstützung durch den Besitzer und Techniker des Tonstudios haben dazu beigetragen, dass wir uns auch in dieser Hinsicht weiterentwickelt haben." Zudem war es ein besonderes Gefühl für die Combo, in einem der bedeutendsten Studios Deutschlands zu stehen, in dem schon Künstler wie Udo Jürgens, Dieter Bohlen oder die Klostertaler ihre Lieder aufnahmen.
Während des Aufenthalts am Tegernsee haben die Rhönräuber drei selbstgeschriebene Lieder auf eine CD gebannt. Darunter ist der Titel "Anika", der auf einer wahren Geschichte basiert. Eines Morgens wachte ein Bandmitglied mit einem Zettel neben sich auf, auf dem ein Mädchen namens Anika eine heiße Liebesbotschaft hinterließ. Leider musste der junge Mann später feststellen, dass seine Bandmitglieder sich lediglich einen Scherz erlaubt hatten.
Doch aus dem kleinen Scherz wurde ein großer Erfolg. "Anika" hat die Band nämlich als Titel gewählt, den sie bei der Show "Herzklopfen kostenlos" präsentierte. Die Sendung ist eine Art Castingshow für Schlager und Volksmusik. Dort traten die Rhönräuber unter insgesamt 350 Bewerbern auf, um den deutschlandweit ausgeschriebenen Bundes-Talentepreis für Unterhaltungskunst zu ergattern. Nach einem Vorausscheid kam die Gruppe in die Endrunde, zu der 20 Bands, Duos und Einzelinterpreten in Neustadt/Orla antraten. Moderiert wurde die Show von Achim Menzel. Auf dem Marktplatz vor 2500 Zuschauern siegten die Rhönräuber mit deutlichem Vorsprung. Und das, obwohl man sich zuvor nur ein paar Mal zum Proben getroffen hat. So war die Gruppe selber von dem Erfolg überrascht. Wahrscheinlich liegt das aber auch daran, dass sich alle selbst über die Musik hinaus kennen und gut verstehen.
Trotz des Erfolges bleiben die Jungs auf dem Boden und ihren anderen Tanzbands treu. "Wir wollen die Kirche im Dorf lassen und das Ganze realistisch sehen", sagt Thomas Schramm. Das Rhönräuberprojekt soll in erster Linie der Selbstverwirklichung dienen. Die Band konzentriert sich daher eher darauf, ihre eigenen Lieder zu schreiben, anstatt große Auftritte zu planen. Deswegen kam die Idee ja auch eigentlich auf. Ganz ohne Auftritte geht das natürlich doch nicht, und so wollen die Rhöner Jungs der Anfrage des MDR nachkommen und zu den Thüringentagen in Gotha spielen.
Auf ihren ersten Platz können die Rhönräuber stolz sein. Und wer weiß, wie es mit den jungen Künstlern weitergeht. Das Potenzial für weitere Lieder haben sie allemal. Und vielleicht wacht demnächst wieder ein Bandmitglied mit einem Liebesbriefchen auf dem Kissen auf, das der Band einen unverhofften Erfolg beschert. svw
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